Am 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga hat Hannover 96 dem Bayerntrainer Jürgen Klinsmann den Job gerettet. Trotz 1:0-Führung wollten die Niedersachsen nicht gewinnen und schenkten mit amateurhaftem Abwehrverhalten bei Standardsituationen den Bayern den höchsten Saisonsieg.
Der war für Jürgen Klinsmann auch bitter nötig, denn nach dem blamablen Pokalaus in Leverkusen (2:4) hätte eine Niederlage, verbunden mit einem größer werdenden Abstand zur Tabellenspitze, wohl den Rausschmiss des Trainers nach sich gezogen. So hat er eine Fristverlängerung bekommen, kann Mitte der Woche mit seinem Team ins Champions League-Viertelfinale einziehen und hoffen, dass die Mannschaft endlich eine Serie zum Erklimmen der Tabellenführung startet.
Doch der Sieg deckt nicht die Probleme zu, die Klinsmann bei den Bayern hat. Es fehlt die Handschrift des Trainers, ein schlüssiges Spielkonzept, eine sportliche Perspektive. Der FC Bayern gewinnt, weil er Individualisten hat, die gegen schwächere Teams mit ihrer Klasse Spiele entscheiden. Ein Zusammenspiel der Einzelkönner zu einem großen, besseren Ganzen ist nicht zu entdecken. Hinzu kommt, dass es Klinsmann nicht gelingt Alternativen im Kader zu schaffen. Wo sind die Ersatzleute, die Druck auf die Stammelf ausüben und diese so zu besseren Leistungen animieren? Podolski wurde gleich zu Saisonbeginn mit der Aussage frustriert, er sei ein Spieler für die Zeit nach 2010. Sosa ist völlig außen vor, ähnlich Breno. So stärkt ein Coach nicht die Bank.
Hinzu kommt, dass Klinsmann vom Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge davon abgehalten werden musste, mit der Verpflichtung Landon Donovans ein millionenschweres Missverständnis zu begehen. Das hat Klinsmanns Position im Verein nicht gestärkt. Profis registrieren so etwas genau.
Bis zum Sommer werden sie wohl alle beim FC Bayern in der jetzigen Zusammensetzung weiterarbeiten. Doch danach ist alles offen. Ob Klinsmann noch seine Mannschaft erreicht, werden die nächsten Wochen zeigen. In der Champions League, wenn Gegner wie Manchester oder Barcelona warten, und in der Meisterschaft, wo vier Punkte auf Hertha BSC auszuholen sind. Je nach Erfolg und Perspektive geht es für Klinsmann weiter in München oder zurück nach Kalifornien.
Übrigens: Hertha wird Meister. So wie sich das Team in Cottbus präsentiert hat, das war meisterlich. Ohne Glanz, aber mit Effektivität einen Rückstand umgebogen und letztlich sicher 3:1 gewonnen. Das konnten früher nur die Bayern.
StR
Die Ergebnisse des 23. Spieltags im Überblick:
FC Schalke 04 - 1. FC Köln 1:0
1899 Hoffenheim - Werder Bremen 0:0
Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV 4:1
Bayern München - Hannover 96 5:1
Energie Cottbus - Hertha BSC Berlin 1:3
VfL Wolfsburg - Karlsruher SC 1:0
VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 2:1
Arminia Bielefeld - Eintracht Frankfurt 0:0
Bayer Leverkusen - VfL Bochum 1:1
Tabelle
1 Hertha BSC Berlin 46 P
2 Bayern München 42 P
2 1899 Hoffenheim 42 P
4 VfL Wolfsburg 42 P
5 Hamburger SV 42 P
6 VfB Stuttgart 39 P
7 Bayer Leverkusen 37 P
8 FC Schalke 04 37 P
9 Borussia Dortmund 33 P
10 Werder Bremen 29 P
11 1. FC Köln 29 P
12 Eintracht Frankfurt 24 P
13 Hannover 96 24 P
14 VfL Bochum 22 P
15 Arminia Bielefeld 21 P
16 Energie Cottbus 20 P
17 Borussia Mönchengladbach 19 P
18 Karlsruher SC 17 P
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