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And the Oscar goes to … Bundesliga

„Haach de Klicker in’s Goal enei!“, hat mein Trainer immer zu mir gesagt. So einfach ist Fußball. „Hau den Ball ins Tor hinein!“ Oder hat Ihrer statt dessen gesagt: „Ich danke meinem Produzenten, meinen Fans und danke, danke, danke meinem Vater – Dad, der ist für dich, wenn du mich oben im Himmel siehst!“? Auf der Oscar-Verleihung in der vergangenen Nacht waren solche Dankesreden sicher zu hören.

Nun, die deutsche Bundesliga ist nicht Hollywood, doch würde sie „Oscars“ vergeben, am 25. Spieltag hätten einige Mannschaften und Akteure diese Auszeichnung verdient gehabt.

And the Oscar goes to … Bayern München. Kategorie: Gegnermitleid

Es hätte der Spieltag der Bayern werden können. Auf vier Punkte hätten sie den Abstand an der Tabellenspitze vergrößern können. Doch sie wollten nicht. Zumindest nicht in der ersten Hälfte des Spiels gegen den 1. FC Köln. Lieber erlaubten sie ihrem Exkollegen und dauertorlosen Stürmer Lukas Podolski den Schuss aus der Krise. Nach 1424 Minuten erzielte der endlich wieder ein Tor – unter tätiger Mithilfe von Bayern-Torwart Hans-Jörg Butt. In der zweiten Halbzeit, um in der Fußballersprache zu bleiben, hatten sie zuerst kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. 1:1 das Endergebnis. Die Chance für Leverkusen…

And the Oscar goes to … 1. FC Nürnberg. Kategorie: Nachbarschaftshilfe


Natürlich spielt jeder in Bundesligist zunächst einmal für den eigenen Erfolg – Nürnberg in diesem Fall gegen den Abstieg. Zu erwarten war es trotzdem nicht, dass ausgerechnet der bayerische Derbyrivale 1. FC Nürnberg dem FC Bayern München zu Hilfe eilen würde, als der befürchten musste, seine Tabellenführung an Leverkusen zu verlieren. Die Nürnberger besiegten verdient den rheinischen Favoriten durch zwei Tore Eric-Maxim Choupo-Motings und einen von Mickael Tavares. Die Anschlusstreffer durch Kießling und Helmes kamen zu spät. Erste Saisonniederlage für Bayer und Nürnberg hilft vor allem sich selbst.

And the Oscar goes to … Bundesligastürmer. Kategorie: Treffsicherheit

Eric-Maxim Choupo-Moting, Edin Dzeko, Mohamed Zidan, was haben diese drei Bundesligastürmer gemeinsam? Sie schossen alle am 25. Spieltag je zwei Tore. Denn Tore sind nun einmal das Einzige, an dem Stürmer gemessen werden – siehe Lukas Podolski.

And the Oscar goes to … Papiss Demba Cissé. Kategorie: Bester Hauptdarsteller

SC Freiburg gegen Hannover 96, so hieß das Elendsduell des Spieltags im Tabellenkeller. Lange sah es danach aus, als würde im Spiel der schlechtesten Heimmannschaft gegen das schwächste Auswärtsteam keiner den Platz als Sieger verlassen. Doch dann kam Papiss Demba Cissé und schenkte dem trostlosen Gekicke eine Entscheidung. Nachdem er drei Riesenmöglichkeiten für die Freiburger teils kläglich vergeigt hatte, verlängerte er einen hannoverschen Freistoß ins eigene Tor – 1:2. Entschuldigung, ich ziehe die Auszeichnung zurück und verleihe die „Goldene Himbeere“.

Damit nach vielen, vielen Kategorien auch am Ende ja kein Stargast ohne goldene Auszeichnung das „Theatre“ verlassen muss, gibt es die „Ehrenoscars“. Sie könnte man in der Bundesliga für besonders „herausragende“ Leistungen verleihen. Anwärter gäbe es genug.

And the Oscar goes to … deutsche Fußballreporter. Kategorie: Prügelknaben

Früher war das Reporterleben in der Bundesliga ein Hort schlichter Glückseligkeit. Gemütlich ein Spiel anschauen, für das andere Leute teures Geld bezahlen müssen. Dann äußerst wichtig einem verschwitzten Akteur das Mikro unter die Nase halten, ein bisschen Palaver der Marke „Wie fanden sie das Spiel?“ und schon war der Arbeitstag gelaufen. Man musste nur aufpassen, nicht Bayern-Manager Uli Hoeneß über den Weg zu laufen. Der gab schon mal gerne den Haudrauf. Ansonsten kam man locker durchs Leben. Das hat sich gründlich geändert.

Heute sollte jeder Fußballreporter vorsorglich den Kopf einziehen, wenn er zum Interview schreitet. Uli Hoeneß ist zwar nicht mehr „Abteilung Attacke“, doch andere füllen seine Lücke vollstens aus. Da fragt das unwissende Reporterlein mal vorsichtig, ob die Mannschaft nicht vielleicht etwas gebremst agiert habe, schon poltert Bayern-Trainer Louis van Gaal los, spricht dem Gegenüber jeglichen Fußballsachverstand ab. Schalkes Felix Magath bezweifelt in solchen Situationen, dass der Fragende überhaupt jemals selbst gegen den Ball getreten habe und fordert mehr Respekt für seinen Verein. Und Lukas Podolski sucht nach dem Länderspiel gegen Argentinien gleich den Zweikampf mit dem Reporter „vor der Tür“. Schlagende Argumente für einen „Prügelknaben-Oscar“ an die Fußballreporter.

And the Oscar goes to … Amerell, Kempter und Co. Kategorie: Sex and Crime

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s leichter ungeniert.“ Dieses alte Motto drehen die Herren Amerell und Kempter derzeit unappetitlich um und ruinieren so den einstmals exzellenten Ruf deutscher Spitzenschiedsrichter. Immer neue pikante Details von Amtsmissbrauch, sexueller Belästigung und Erpressung kommen an die Öffentlichkeit und blamieren auch den hilflosen Deutschen Fußball-Bund, der entgeistert zwischen eidesstattlichen Versicherungen, gerichtlichen Klagen, Exklusiv-Interviews und parteiischen Anti-Bayern-Mails hin und her hechelt. Der Zuschauer staunt und ist gespannt, was noch alles kommt. In jedem Fall wird es schmutzig. Ob Hollywood oder Bundesliga – beide spiegeln nur das wahre Leben.

(Stefan Reichart)

Wie ist Ihre Meinung zur Bundesliga? Wer hätte einen „Oscar“ verdient? Schreiben Sie uns einen Kommentar in unseren Blog unter http://blog.magazine-deutschland.de/

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Die Ergebnisse des 25. Spieltags im Überblick:
1. FC Köln   -  Bayern München  1:1  
Werder Bremen   -  VfB Stuttgart  2:2  
Hamburger SV   -  Hertha BSC Berlin  1:0   
Eintracht Frankfurt   -  FC Schalke 04  1:4  
SC Freiburg   -  Hannover 96  1:2
VfL Wolfsburg   -  VfL Bochum  4:1  
Borussia Dortmund   -  Borussia Mönchengladbach  3:0  
1. FC Nürnberg   -  Bayer Leverkusen  3:2  
1899 Hoffenheim   -  1. FSV Mainz 05  0:1  

Tabelle
1   Bayern München     53 P
2   FC Schalke 04   51 P
3   Bayer Leverkusen    50 P
4   Hamburger SV   43 P
5   Borussia Dortmund    42 P
6   Werder Bremen 39 P
7   VfB Stuttgart      35 P
8   Eintracht Frankfurt   35 P
9   1. FSV Mainz 05 35 P
10   VfL Wolfsburg   34 P
11   1899 Hoffenheim    32 P
12   Borussia Mönchengladbach    30 P
13   1. FC Köln    27 P
14   VfL Bochum    27 P
15   1. FC Nürnberg  21 P
16   Hannover 96   20 P
17   SC Freiburg   20 P
18   Hertha BSC Berlin  15 P

Dieser Beitrag wurde am Montag, 08. März 2010 um 11:42 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Bundesliga 09/10 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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